Alpine Raritäten im Nationalpark Berchtesgaden

aus Berchtesgadener Land Bergerlebnismagazin (Berchtesgadener Land)

eingestellt am 14.03.2013 von Maria Stangassinger

Erst dem Königssee auf den Grund gehen und dann über die Almen des Nationalparks bis zum Gipfel des Watzmanns gelangen - diese Meisterleistung ist in naher Zukunft für jedermann möglich, erfordert kaum Kondition oder Schwindelfreiheit und kann sogar mit Kinderwagen locker bewältigt werden. Denn im „Haus der Berge', das derzeit in Berchtesgaden entsteht und voraussichtlich im Mai 2013 seine Tore öffnet, erklimmen Besucher die verschiedenen Lebensräume tatsächlich von unten bis nach ganz oben.

In dem schon wegen seiner Architektur spektakulären Gebäude „tauchen' Interessierte zunächst ins Wasser, bevor sie Wald, Wiesen und letztendlich den Watzmann erkunden. Auf rund tausend Quadratmetern erfahren sie alles über das Ökosystem des Nationalparks und seine wilden Welten. Schulklassen und Jugendgruppen werden das Informationszentrum derweil als „grünes Klassenzimmer' nutzen, in dem Hightech Wissen vermittelt werden soll.

Modernste Technik setzt der Nationalpark seit jeher ein, um die Natur zu schützen. So sieht man die seltenen Steinadler, die hier eine sichere Heimat gefunden haben, nicht nur in der Ferne kreisen, sondern man kann ihnen sogar bis ins Nest folgen. Möglich macht's eine Kamera, die in den Wintermonaten einzigartige Live-Bilder vom Futterplatz der Adler im Klausbachtal direkt in die Infostelle Hintersee sendet. Spätestens wenn die Elternvögel mit ihrem kecken Nachwuchs um die Beutereste streiten, scharen sich die Besucher hier um den Bildschirm. Dass es überhaupt noch Adler-Nachwuchs in Deutschland gibt, ist dem Nationalpark zu verdanken.

Um den „König der Lüfte' zu retten, wurde bereits vor 17 Jahren ein bis dahin einzigartiges Projekt ins Leben gerufen. „Wir haben Methoden entwickelt, um den negativen Einfluss menschlicher Störungen im Brutgeschäft der Adler zu minimieren und so die Nachwuchsrate zu steigern', so der Projektleiter Ulrich Brendel. Naturschützer und Naturnutzer arbeiten Hand in Hand für dieses Ziel: Gleitschirm- und Drachenflieger sowie Hubschrauberpiloten informieren sich in der Brutzeit auf den Websites des Nationalparks über aktuelle Flugverbotszonen und machen einen weiten Bogen um die Horste. Eine simple und zugleich effektive Maßnahme, die mittlerweile in ganz Bayern hilft, die „Geburtenrate' zu sichern. Fünf Steinadler-Paare sind hier mittlerweile sesshaft. Mit den weiteren sechs, die im unmittelbar angrenzenden Gebiet leben, beherbergt der Nationalpark nun ein Viertel des gesamten deutschen Bestandes.

Neben den imposanten Greifvögeln haben viele weitere alpine Raritäten im Reich von König Watzmann Schutz gefunden. Ob Enziane oder Edelweiß, Gämsen oder Murmeltiere - bei einer Wanderung auf dem 230 Kilometer langen Wegenetz trifft man mit Sicherheit auf so manchen wohl behüteten Schatz. Mit ein bisschen Glück sieht man sogar die schüchternen Murmeltiere über die Almen flitzen, von denen sich hier Hunderte tummeln.

Dass sich der Nationalpark nicht nur um den Lebensraum bedrohter Tierarten, sondern auch um den des Menschen sorgt, zeigt das engagierte Erforschen des Klimawandels. Seit Anfang der 1990er Jahre liefert die Wetterstation am Watzmannhaus aktuelle Daten aus luftiger Höhe, die bis vor kurzem noch vor Ort abgelesen wurden - was im Winter so manchem Forscher erstmal eine mühsame Skitour bescherte. Mittlerweile funkt die hochmoderne Station ihre Aufzeichnungen automatisch ins Tal. Zudem liefern weitere Stationen, wie etwa am Blaueisgletscher und am Hinterberghorn, mehrmals täglich ihre Daten. „Aus den Messergebnissen ziehen wir Rückschlüsse über den Klimawandel und dessen Auswirkungen in der Region', erklärt Brendel. Insbesondere die alpine Vegetation reagiere bereits auf die Erderwärmung.

Neben dem wichtigen Beitrag zur Klimaforschung leisten die Wetterdaten aus dem Nationalpark aber noch viel mehr: Das dichte Netz an Messstationen vereinfacht die Beurteilung der Lawinensituation im Berchtesgadener Land enorm. Und der nächste Winter kommt bestimmt. Und mit ihm die Tourengeher, die ihre Routen durch die unberührte Natur mit größtmöglicher Sicherheit planen können.

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