Neue Spielzeugwelt in Bad Kissingen

aus Bad Kissingen (Franken)

eingestellt am 09.12.2011 von Kathrin Betzen

Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten? Das werden sich viele Besucher fragen, wenn sie ab heute im Museum Obere Saline das neue Museum „Spielzeugwelt“ betreten. Hier hat die Spielzeugsammlung der Bad Kissinger Bürgerin Hilla Schütze ihre Heimat gefunden.
Wird der Name des Museums durcheinander gewürfelt, ergibt sich „Weltspielzeug“. Und damit ist die Ausstellung auch schon treffend umrissen, wie die Auswahl der Exponate zeigt. Hilla Schütze hat auf ihren zahlreichen Reisen Spielzeug aus aller Welt zusammen getragen, aus Japan und Russland, aus Afrika und Südamerika und auch aus der Rhön. Kostbarstes Rhöner Exponat ist das „weiße Pferd der Rhön“. Es war das Spielzeug von Hermann Schütze, dem Vater von Hilla Schütze. Frau Schütze war von diesem Pferd so begeistert, dass sie umfangreiche Recherchen anstellte. Sie entdeckte, dass der Kissinger Unternehmer
Friedrich Meinel das Pferd in Sandberg in der Rhön geschnitzt hatte. Der Geschäftsmann betrieb von 1877 bis 1911 im Rhönort Sandberg eine Fabrik zur Herstellung von Holzspielwaren. Und Bad Kissingen war auch noch in den Aufbaujahren nach dem 2.Weltkrieg Produktionsort für Spielzeug.

Die Wissenschaftlerin Birgit Schmalz, der die Konzeption des neuen Museums oblag, recherchierte weiter. Sie fragte: „Was gab es noch an Spielzeugherstellung in der Rhön?“ und „Wie steht das Rhöner Spielzeug im Vergleich zu Spielzeug aus Thüringen oder dem Erzgebirge da?“

Und so ist im neuen Museum Spielzeug aus der Rhön ebenso wie aus den großen bekannten mitteleuropäischen Herstellerregionen zu sehen. Dazu gehört ein Spaziergang durch die Herstellungsgeschichte von Spielzeug.

Um der Fülle der Objekte von Schützes Sammlung gerecht zu werden, bieten zusätzlich halbjährlich wechselnde Sonderausstellungen vertiefende Einblicke. Den Beginn machen „Kinderbücher und ihre
Helden“, denn Ausgangspunkt der Spielzeugsammlung Schütze war die Kinderbilderbuchsammlung Schütze.

„Wir haben gemeinsam ein klares Konzept für ein Museum entwickelt, das die Region mit einbindet und gleichzeitig überregional Strahlkraft hat“, fasst Kulturreferent und Projektleiter Peter Weidisch zusammen. „Bad Kissingen ist um eine weitere Facette in seinem breiten Kulturangebot reicher geworden“, freut sich
Oberbürgermeister Kay Blankenburg.

Als Ausstellungsraum stand das Dachgeschoss im Südflügel der Oberen Saline zur Verfügung – eine ehemalige Wohnung, keine großzügigen Museumshallen wie in neu gebauten Museen. Innenarchitekt Andreas Pietsch aus Fürth nahm die Herausforderung der kleinteiligen Raumsituation an. Er verwandelte die Räume in „black boxes“ mit beleuchteten Glasvitrinen. So wird der Blick nicht von der vielfältigen und farbenfrohen Spielzeugsammlung abgelenkt, die Räume selbst sind die Schaukästen.

Das Museum Spielzeugwelt hebt sich wohltuend von den gewohnten Spielzeugmuseen mit ihrer Überfülle an weitgehend unkommentierten, dekorativ arrangierten Exponaten ab. Die in der Spielzeugwelt ausgestellten Spielsachen wecken Erinnerungen an die eigene Kindheit und vermitteln gleichzeitig Einblicke in die Geschichte vornehmlich der Holzspielzeugherstellung.

Das überzeugende Konzept des Museums führte zu einer großzügigen Unterstützung durch das EU-Programm zur Förderung des ländlichen Raumes, Leader, der Landesstelle für die Nichtstaatlichen Museen in München und der Pressemitteilung Kulturförderung des Bezirks Unterfranken.

Die Eröffnung der Spielzeugwelt ist für das Museum Obere Saline Anlass, das museumspädagogische Programm auszuweiten. Künftig wird an jedem zweiten Sonntag im Monat, begleitend zu den offenen Führungen in den Museumsabteilungen, ein museumspädagogisches Programm angeboten. Dazu erscheint ein eigener Flyer. Die Angebote können auch privat gebucht werden.

Neu ist auch das „Spielhaus“ im Innenhof des Museums Obere Saline. Es ist künftig zu den Museumsöffnungszeiten nach Bedarf geöffnet. Hier können Kinder mit Eltern und Freunden kostenlos mit Spielmaterialien, die der Natur entnommen sind, die Spielwelt ihrer Großeltern entdecken.

Informativ, spielerisch und flexibel – mit der Spielzeugwelt im Museum Obere Saline hat Bad Kissingen eine neue Attraktion. Und wer diese Welt im Kleinen mit nach Hause nehmen will, für den hält der Museumsshop kleine, feine Spiel-Dinge aus Holz zum Mitnehmen bereit.

Zur Museumseröffnung erwartet die Besucher ein buntes Rahmenprogramm vom 10. Dezember 2011 bis 29. Januar 2012 mit kostenlosen Sonderführungen von Hilla Schütze und museumspädagogischen Veranstaltungen für Kinder. Das Eröffnungsprogramm finden Interessierte auf www.spielzeugwelt-badkissingen.de.

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