Das Paradies der Schnapsbrenner - Bad Feilnbach

aus Bad Feilnbach (Chiemsee-Alpenland)

eingestellt am 01.09.2013 von Christiane Hannsmann

Im oberbayerischen Bad Feilnbach hat man das Geheimnis des besten Obstbrandes entdeckt. 125 Schnapsbrennrechte gibt es in Bad Feilnbach. Der oberbayerische Kurort ist das bayerische Schnapsbrennerdorf schlechthin. Die Dichte an Schnapsbrennern ist rekordverdächtig. 85 Bauernhöfe und 125 Schnapsbrennrechte. Das Geheimnis: Hier gedeihen Äpfel, Hauszwetschgen, Birnen und Kirschen besser als anderswo in Bayern. Grund ist neben dem milden Klima an den Ausläufern des Wendelsteins der Anbau des Obstes im Einklang mit der Natur. Schädlinge werden hier mit Erfahrung und Geduld bekämpft anstatt mit Pestiziden und die Obstbäume werden nicht beschnitten, sondern dürfen natürlich wachsen. Zur natürlichen Bestäubung stellen die Bauern Bienenstöcke am Rande der Streuobstwiesen auf und zum Destillieren wird nur sehr reifes Obst verwendet. Ohne Zucker, Birnenstücke oder ähnliche Zusätze. In Bad Feilnbach ist der Schnaps Obst pur. Da glaubt man auch Christian Eder wenn er sagt: “Wer jeden Tag einen Obstbrandl trinkt, bleibt gesund. Frei-bayerisch nach dem Motto: one apple a day keeps the doctor away.”

Christian Eders Paradies ist drei Hektar groß und liegt zwischen Wendelstein und Chiemsee. Eva hätte die Qual der Wahl gehabt, denn hier gibt es Apfelbäume wohin man blickt. 1.000 sind es insgesamt. 1.000 von über insgesamt 30.000 im kleinen 7.500 Seelen-Ort Bad Feilnbach. Jeder einzelne von ihnen trägt bis zu 700.000 Blüten. Ein Blütenmeer im Frühling, ein Schlaraffenland im Herbst und das ganze Jahr über ein Klima wie in Südtirol. Kein Wunder, dass das Moorheilbad und Naturheildorf auch das “Bayerische Meran” genannt wird. Ein anderer Name lautet schlicht “das Obstbrennerdorf”. Denn aus dem gesunden Obst verarbeiten die 125 Obstbauern nicht nur Apfelbrot, Apfelessig, Apfelwein oder Marmeladen sondern eben auch den Obstbrand. Und wer den besten Bad Feilnbacher Obstbrand sucht, der kommt an Christian Eder nicht vorbei. Die 25 verschiedenen Sorten von Boskop bis Topas aus seinem Streuobstgarten verbrennt der Landwirt jeden Winter zu 300 Liter Obstler. Keinen normalen Schnaps, sondern einen mit der höchsten bayerischen Obstprämierung ausgezeichneten Edelobstbrand.

“Jedes Jahr ist der Geschmack anders. Das ist die Kunst, den besonderen Geschmack eines Jahres ins Glas zu bringen.” sagt der 53-jährige Bio-Bauer. Im Frühling, da zeigt er interessierten Besuchern gerne seine blühenden und flüssigen Schätze und kämpft, neben seiner Bio-Landwirtschaft mit 12 Milchkühen und dem Ferienbauernhof, den seine Frau Gertrud führt, für den Erhalt der Streuobstgärten in Bayern. “Die Obstgärten verschwinden, statt dessen wird Mais für Biogasanlagen angebaut, das kann nicht sein,” ärgert er sich und schenkt in seiner kleinen Brennerei dem Besucher flüssige Köstlichkeiten, nicht nur aus Äpfeln, sondern aus Birnen, Wildzwetschgen, Kräutern oder Himbeeren ein. “Wennsd oun Tag mit den Händn arbeitest, dann bringst an Haufn zam, ” sagt er und fügt hinzu, “einige hundert Zentner Obst, je nach Wetterlage, man lebt halt mit der Natur.”

Katalog Bad Feilnbach
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