Hörnerdörfer - Allgäuer Originale
aus Hörnerdörfer (Allgäu)
eingestellt am 08.03.2010 von Wiebke Flegel
Mit Einheimischen die Hörnerdörfer entdecken. Herzlich und freundlich, mitunter ein wenig zurückhaltend und rau, aber immer offen und auf Fremde zugehend. Genau das schätzen die Besucher der fünf Hörnerdörfer Balderschwang, Bolsterlang, Fischen, Obermaiselstein und Ofterschwang an ihren
Gastgebern.
Aber auch die ungewöhnlichen Geschichten und Lebensläufe örtlicher Persönlichkeiten lassen die Gäste der Hörnerdörfer aufhorchen. Sepp Kienle, Besitzer eines der höchstgelegenen Sägebergwerke Deutschlands, ist so ein echtes „Allgäuer Original“. Die auf 1.050 Metern gelegene und 200 Jahre alte Sägemühleseines Großvaters in der Ortsmitte von Balderschwang ist immer noch in Betrieb. Der
Handel wird zwar nicht mehr beliefert, aber befreundeten Bauern und Skiliftbesitzern kann der 87jährige die Bitte um Nachbarschaftshilfe nicht abschlagen.
Kienle ist zudem seit 39 Jahren Wetterbeobachter und Aufzeichner des Deutschen Wetterdienstes. Jeden Tag misst der Allgäuer die Niederschlagsmenge und mailt sie an die Zentrale des Wetterdienstes nach München: “Wenn’s gut geht will ich die 40 Jahre noch voll kriegen.“
Dem schneereichen Winter begegnet er gelassen und stellt schmunzelnd fest: “Wenn man alles zusammenrechnen würde, habe ich mindestens acht Jahre nichts anderes getan als Schnee geschaufelt…“
Georg Larsch (62) ist es zu verdanken, dass der „Ullr“ ein Revival erlebt. Der in Vergessenheit geratene Talisman war in den 50er und 60er Jahren bei Skifahrern ein absolutes „Muss“ und zeigt Ull, nach der nordischen Mythologie der Gott des Winters. Getragen wurde der Glücksbringer am Hosenbund des Skifahrers und sollte ihn vor Unfällen und Lawinen beschützen.
Für das im letzten Jahr gefeierte 1150jährige Jubiläum Fischens, bei dem Larsch ehrenamtlich als Festleiter fungierte, lässt er diese alte Tradition wieder aufleben und einen Ullr für das geplante historische Skifahren prägen. Ohnehin ist der
Denkmalschützer und Heimatpfleger aus dem öffentlichen Leben Fischens nicht wegzudenken - seit Jahrzehnten bekleidet er diverse Ehrenämter und ist tief mit dem Dorf- und Vereinsleben verwurzelt.
Den Allgäu-Reiseführer können die Besucher der Hörnerdörfer getrost in der Schublade lassen, wenn sie an der wöchentlichen Führung von Eduard Schmid teilnehmen. Auf unvergleichliche Art und Weise berichtet der 70jährige während seiner Tour „Mit einem Obermaiselsteiner unterwegs“ von Anekdoten und Geschichten aus seiner Heimat – für Gäste aus dem Norden natürlich auf Hochdeutsch.
Aus erster Hand erfahren die Urlauber spannende Hintergründe über Land und Leute, wie sie nur Einheimische vermitteln können. Schmids umfangreiches Wissen über die Alpwirtschaft und Bergwelt ist nicht nur bei den Touristen der Hörnerdörfer gefragt. Die Liebe zur Heimat ist den Erzählungen des
ehemaligen Maurers, der zudem auch als Wanderführer und Skilehrer tätig ist, förmlich anzuhören – besser kann ein Landstrich nicht kennengelernt werden.
